Unsere Position zur Fahrradstraße im Bächetal

Warum wir die Fahrradstraße wollen: Weil Verkehrsreduzierung für Möhringen beschlossen wurde

  • Am 24.1.2023 hat der Ortschaftsrat Möhringen den Bebauungsplan DonauTech u. a. mit den Stimmen der LBU und der CDU verabschiedet. Die der Abstimmung zugrunde liegende Beschlussvorlage beinhaltete dabei, dass “Maßnahmen zur Verkehrsreduzierung” im Städtle ergriffen werden. Die Aufnahme dieses Passus war Bedingung der LBU für ihre Zustimmung zum Bebauungsplan.

  • Anschließend wurde das Ingenieurbüro Modus Consult aus Ulm mit Fachgebiet Verkehr durch die Stadt Tuttlingen beauftragt, im Rahmen eines Gutachtens Vorschläge für solche Maßnahmen zur Verkehrsreduzierung zu erarbeiten.

  • Die Fachleute von Modus Consult machten den konkreten Vorschlag der Einrichtung einer Fahrradstraße auf dem Eßlinger Sträßle. Eine Fahrradstraße bedeutet:
    • Autos dürfen die Straße weiterhin nutzen,
    • Höchstgeschwindigkeit 30 km/h,
    • Fahrräder haben Vorrang.

  • Modus Consult errechnete dazu auch Prognosen:
    • ohne weitere Maßnahmen muss für das Jahr 2035 mit einem Durchschnittswert im Berufsverkehr von ca. 3.200 Fahrzeugen/Tag gerechnet werden;
    • bei Einrichtung einer Fahrradstraße wird der Verkehr auf ca. 1.000 Fahrzeuge/Tag reduziert.
    • Zum Vergleich: die aktuellen Zahlen aus der Verkehrsmessung mit dem DataCollect-Gerät zeigen seit 2019 eine Stagnation. Gerechnet auf alle Tage inkl. Sonn- u. Feiertage sowie Ferienzeiten etc. liegt der Schnitt bei ca. 1.400 Fahrzeugen/Tag. Spitzenwerte im Berufsverkehr liegen bei 2.000 Fahrzeugen, teils darüber.
  • Ortsvorsteher Dreher führte vorbereitende Gespräche mit der Stadtverwaltung, mit dem Landrat, mit dem Ersten Landesbeamten sowie mit OB Beck.

  • Mit der Stadtverwaltung und OB Beck wurde dann ein Beschlussvorschlag abgestimmt und am 4.6.2024 in den Ortschaftsrat eingebracht. Dort wurde er mit 7:4 Stimmen (LBU, SPD, FW) verabschiedet. Beschlossen wurde, die Stadt Tuttlingen damit zu beauftragen, Gespräche mit dem Landkreis, in dessen Zuständigkeitsbereich das Eßlinger Sträßle fällt, über die Einrichtung einer Fahrradstraße zu führen.

  • Nach der Änderung der Mehrheitsverhältnisse im Ortschaftsrat wurde dieser Beschluss auf Antrag der CDU-Fraktion nun zurückgenommen. Damit sind wir nicht einverstanden.

Warum wir mit der Rücknahme des Beschlusses zur Fahrradstraße nicht einverstanden sind

Eine Stagnation ist keine Reduzierung. Die bislang ergriffenen Maßnahmen wie Tempo 40/60, Tempo-30-Zonen in der Ortsdurchfahrt, eingeengte Fahrbahnen, schmale Fahrbahnabschnitte außerorts im Begegnungsverkehr und die Sperrung für Lkw-Verkehr haben keine Reduzierung erreicht. Der gemeinsame Beschluss vom Januar 2023 ist noch nicht umgesetzt.

Darüber hinaus sehen wir durch die Reduzierung des Durchgangsverkehrs für Möhringen nur Vorteile. Die hohe Lebensqualität wird erhalten und sogar noch gesteigert. Und das ist im Sinne aller Möhringer*innen.

Welche Argumente gegen die Einrichtung einer Fahrradstraße hervorgebracht werden, und was wir darauf antworten

  • Eßlingen wird von Möhringen abgeschnitten.
    Das stimmt nicht. Das Eßlinger Sträßle kann weiterhin durch den Autoverkehr genutzt werden. Einzige Einschränkung: Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 30 statt bei 40/60 km/h. Das hat eine Verlängerung der durchschnittlichen Fahrzeit zwischen Eßlingen und Möhringen um ca. 2,5 Minuten zur Folge. Weitere Einschränkungen bestehen nicht. Von einer weiteren Reduzierung oder gar Sperrung des Sträßles war und ist nicht die Rede.

  • Es wird zu Behinderungen und Gefährdungen durch den Fahrradverkehr kommen.
    Wir gehen davon aus, dass auch nach Einrichten einer Fahrradstraße viele Radler*innen den ruhigeren und schöneren Weg am Wald entlang nutzen werden. Die Nutzung des Sträßles würde weiterhin hauptsächlich durch den Autoverkehr erfolgen. Bei der Einrichtung der Fahrradstraße geht es in diesem konkreten Fall nicht in erster Linie um die Steigerung des Fahrradverkehrs, sondern um die Reduzierung des Autoverkehrs. Bei rücksichtsvollem Verhalten durch alle Verkehrsteilnehmenden wird es zu keinen erheblichen gegenseitigen Behinderungen kommen.
  • Möhringen und seine Einrichtungen brauchen den Autoverkehr im Städtle.
    Im Gegenteil. Wenn der Autoverkehr durch das Gewerbegebiet weiter anwächst, wird dies negative Auswirkungen auf die Luftqualität in Möhringen haben. Damit droht der Verlust des Prädikats Luftkurort u. a. mit der Folge, dass Förderungen wie für den Infopoint Donauversickerung nicht mehr erreichbar sind. Marode Brücken werden schneller marode. Die prognostizierte Zahl von 3.000 Fahrzeugen pro Tag in Spitzenzeiten bzw. 2.000 Fahrzeugen im Durchschnitt, falls keine Maßnahmen ergriffen werden, würde ein deutliches Anwachsen des Verkehrs durch das Städtle mit entsprechender Lärm- und Schadstoffbelastung bedeuten.
    Hinzu kommt: Das Lädele zum Beispiel darf nicht abhängig vom Pendelverkehr sein, es benötigt nach unserer Einschätzung vielmehr strukturelle und strategische Veränderungen, um seine Zukunft zu sichern. Der Bedarf innerhalb Möhringens ist vorhanden. Für den Erhalt des Lädeles und anderer Einrichtungen den Verkehr im Städtle halten und anwachsen lassen zu wollen, ist keine nachhaltige Strategie und kann nicht im Interesse der Möhringer Bürger*innen sein.

  • Wirksame Maßnahmen zur Verkehrsreduzierung sind auch später noch möglich.
    Nein, sie sind nur jetzt möglich. Das Zeitfenster, um aktiv werden zu können, schließt sich. Steigt die Verkehrsfrequenz auf dem Eßlinger Sträßle dauerhaft auf über 1.500 Fahrzeuge/Tag, was nach Beginn der ersten Betriebe in DonauTech der Fall sein wird, kann rechtlich keine Fahrradstraße mehr eingerichtet werden. Verschlechtert sich die Situation wie in Nendingen oder Immendingen erwartbar weiter, ist es zu spät, solche heute vergleichsweise einfach umsetzbaren Mittel zu ergreifen. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird der Durchgangsverkehr dauerhaft durch Möhringen rollen, mit allen negativen Folgen.


Wir als LBU Möhringen begreifen eine Verkehrsreduzierung im Bächetal und im Städtle als große Chance.

Das Naturschutzgebiet als Naherholungsgebiet gewinnt weiter an Attraktivität. Das Städtle selbst gewinnt enorm an Lebensqualität, wenn der Autoverkehr reduziert wird. Die Durchfahrtsstraßen werden sicherer, leiser, sauberer und angenehmer für alle Menschen, die hier wohnen und sich hier bewegen.

Wir sind uns sicher, dass die Mehrheit der Möhringer Bürger*innen das auch so sehen. Daher plädieren wir dafür, den gefassten Beschluss nicht rückgängig zu machen.

LBU Möhringen, Februar 2025

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